Der weltweite Bahnmarkt soll bis 2030 im Durchschnitt um 3,9 Prozent pro Jahr wachsen und ein Volumen von mehr als 275 Milliarden Euro erreichen. Das geht aus der Studie „Worldwide Market for Railway Industries 2026“ hervor. Europa ist demnach mit 77,7 Milliarden Euro inzwischen der größte regionale Bahnmarkt und hat Asien vom ersten Platz verdrängt.
Das Wachstum in Europa wird vor allem durch den hohen Erneuerungsbedarf bestehender Bahnsysteme getragen. Große Fahrzeugprogramme, der Ausbau von ETCS und digitalen Stellwerken sowie Investitionen in urbane Bahnsysteme sorgen für zusätzliche Nachfrage. Auch Beschaffungen im Personenverkehr und neue Hochgeschwindigkeitsprojekte tragen zur Entwicklung bei. „Wir sehen interessante Verschiebungen im globalen Bahntechnikmarkt“, erklärt Alexander Borchers.
Europa wachse aufgrund hoher Investitionen in Netze und Fahrzeugflotten überdurchschnittlich, während der europäische Schienengüterverkehr gleichzeitig stark unter Druck stehe. In Asien verliert China seine bisherige Rolle als zentraler Wachstumstreiber. Nach Jahren des großflächigen Netz- und Flottenausbaus verschiebt sich der Schwerpunkt dort stärker auf Erneuerung und After-Sales-Leistungen. Indien und die Märkte Südostasiens wachsen zwar deutlich, können die nachlassende Dynamik Chinas aufgrund ihrer geringeren Größe aber nicht vollständig ausgleichen.
Weltweit kommen die stärksten Impulse aus dem Schienenpersonenverkehr. Dieser hat sich deutlich vom Einbruch während der Corona-Pandemie erholt. Besonders stark wächst der Bahntechnikmarkt im Stadtverkehr. Treiber sind Urbanisierung, Netzerweiterungen und neue Projekte in wachsenden Ballungsräumen. Auch der Hochgeschwindigkeitsverkehr legt vor allem in Europa deutlich zu.
Deutlich schwächer entwickelt sich dagegen der Schienengüterverkehr. Geopolitische Unsicherheiten, Handelsrestriktionen und kriegerische Auseinandersetzungen verändern Warenströme und bremsen die Nachfrage. In Europa kommen rückläufige Massenguttransporte, ausgelastete Netze und eine schwache Industriekonjunktur hinzu. Wachstum gibt es dagegen in Teilen Asiens, Süd- und Mittelamerikas sowie in Afrika und im Nahen Osten. In Nordamerika hat der Güterverkehrsmarkt nach Einschätzung der Studie seine Talsohle bereits durchschritten.
Ein wesentlicher Wachstumstreiber bleibt die Digitalisierung. Investitionen in digitale Betriebsführung wirken sich auf nahezu alle Produktsegmente aus. Besonders stark zeigt sich der Effekt in der Systemtechnik, auch wenn dieses Segment gemessen am Volumen kleiner ist.
Bei der klassischen Schieneninfrastruktur verlangsamt sich das Wachstum dagegen. Zwar steigen die weltweiten Investitionen weiter, der Schwerpunkt verschiebt sich aber zunehmend vom schnellen Netzausbau hin zu Erneuerung, Modernisierung und Kapazitätserweiterung bestehender Strecken, was sich auf auf die Marktstruktur auswirkt, wenn es mehr Aus- als Neubau gibt.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de