Nordrhein-Westfalen will die Sanierung von Brücken über alle Verkehrsträger hinweg beschleunigen. Für die Eisenbahn hat die DB Infrago dabei ein eigenes Programm angekündigt. Ab 2027 soll die Zahl der jährlich erneuerten Eisenbahnbrücken im Land von derzeit 14 auf 23 steigen. Gleichzeitig sollen die Mittel für die Instandhaltung erhöht und zusätzliche Fachkräfte eingestellt werden.
Die Pläne wurden bei der Infrastrukturkonferenz NRW am 18. September vorgestellt. Vertreter von Bund, Land, Kommunen, DB Infrago, Autobahn GmbH, Wasserstraßenverwaltung und Straßen NRW verständigten sich dort auf eine engere Zusammenarbeit. Hintergrund ist der hohe Sanierungsbedarf bei den mehr als 30.000 Brücken in Nordrhein-Westfalen. Die Konferenz befasste sich mit Bauwerken von Straße, Schiene und Wasserstraße, wobei für die Eisenbahn erstmals ein eigenes Brückenprogramm für das Land angekündigt wurde.
Nach Angaben von DB-Infrago-Chef Philipp Nagl müssen in den kommenden Jahren im Westen Deutschlands mehrere hundert Eisenbahnbrücken saniert oder vollständig erneuert werden. Für Nordrhein-Westfalen befindet sich deshalb ein Brückenkompetenzzentrum im Aufbau. Bis Ende 2028 will die DB Infrago dafür rund 90 zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Gesucht werden insbesondere Projektingenieure für die Planung und Erneuerung von Eisenbahnbrücken. In der neuen Einheit soll Fachwissen gebündelt werden, um Projekte schneller vorzubereiten und umzusetzen.
Das Programm läuft parallel zu den Korridorsanierungen und weiteren Bauvorhaben im Schienennetz. Damit treffen in den kommenden Jahren zahlreiche Maßnahmen an Strecken, Bahnhöfen, Leit- und Sicherungstechnik sowie Brücken aufeinander. Die Beteiligten wollen deshalb Baustellen und Verkehrsmanagement früher und fortlaufend zwischen den verschiedenen Verkehrsträgern abstimmen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung. Sensoren und digitale Auswertungen sollen den Zustand von Brücken systematischer erfassen. Dadurch sollen Schäden früher erkannt, Instandhaltungsmaßnahmen besser geplant und die Nutzungsdauer bestehender Bauwerke verlängert werden.
Das Land will außerdem neue Bauweisen und Ausschreibungsformen stärker nutzen. Erfahrungen aus beschleunigten Straßenbrückenprojekten sollen zwischen Bund, Land, Kommunen und Infrastrukturbetreibern ausgetauscht werden. Bei der Konferenz wurde auch vereinbart, Planungs- und Genehmigungsverfahren zu vereinfachen und digitale Verfahren stärker einzusetzen. Funktionale Ausschreibungen und vorgefertigte Bauteile spielen bislang vor allem im Straßenbau eine Rolle. Die Beteiligten wollen prüfen, welche Ansätze sich auf andere Infrastrukturprojekte übertragen lassen. Für den Schienenbereich steht daneben der Aufbau zusätzlicher Planungskapazitäten im Mittelpunkt.
NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) erklärte, Bund, Land, Kommunen und Infrastrukturunternehmen wollten Hindernisse bei Planung und Umsetzung abbauen. Die Konferenz sollte dazu dienen, die verschiedenen Brückenprogramme stärker miteinander zu verzahnen. Neben der DB Infrago sind daran unter anderem die Autobahn GmbH, die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, Straßen NRW und die kommunalen Spitzenverbände beteiligt.
Das Brückenprogramm der Bahn ist Teil einer umfassenderen Sanierungsstrategie in Nordrhein-Westfalen. Auch für Brücken über Wasserstraßen ist ein Modernisierungsprogramm vorgesehen. Bei Landes- und Bundesstraßen läuft seit 2023 eine Sanierungsoffensive, in deren Rahmen innerhalb von zehn Jahren 400 Brücken durch Neubauten ersetzt werden sollen. Nach Angaben des Landes sind davon bislang 48 fertiggestellt, bei weiteren 50 hat der Bau begonnen.
Für das Eisenbahnnetz liegt der Schwerpunkt zunächst auf einer höheren Zahl von Erneuerungen und dem Aufbau zusätzlicher personeller Kapazitäten. Die vorgesehenen 23 Maßnahmen pro Jahr bedeuten gegenüber dem bisherigen Stand von 14 Erneuerungen eine deutliche Ausweitung. Zusätzlich sollen die Instandhaltungsmittel für Eisenbahnbrücken in Nordrhein-Westfalen steigen. Die Umsetzung soll ab 2027 beginnen. Bis Ende 2028 soll das neue Brückenkompetenzzentrum personell weitgehend aufgebaut sein. Parallel laufen die bereits geplanten Sanierungen und Erneuerungen weiter. Die DB Infrago will damit die Bearbeitung von Brückenprojekten in Nordrhein-Westfalen stärker bündeln.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
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Quelle: Zughalt.de