Siemens Mobility hat von der ÖBB-Infrastruktur AG einen Auftrag über rund 1,3 Milliarden Euro zur Digitalisierung der österreichischen Stellwerkstechnik erhalten. Die Vergabe ist Teil einer langfristigen Rahmenvereinbarung mit einem Gesamtvolumen von 2,6 Milliarden Euro. Damit soll die schrittweise Einführung digitaler Stellwerke in Österreich vorbereitet werden. Ein erstes Pilotprojekt ist für das vierte Quartal 2030 vorgesehen.
Technische Grundlage ist die Plattform Signaling X von Siemens Mobility. Sie verbindet digitale Stellwerke, das europäische Zugsicherungssystem ETCS und Anwendungen zur Cybersicherheit auf einer gemeinsamen softwarebasierten Architektur. Die Stellwerkslogik soll dabei stärker in zentrale Rechenzentren verlagert werden. Durch die Trennung von Software und Hardware sollen bestehende Systeme flexibler modernisiert und neue Funktionen leichter integriert werden können. Nach Angaben von Siemens Mobility baut der Auftrag auf Erfahrungen aus einem Pilotprojekt in Achau auf, das 2020 begonnen wurde.
Siemens-Mobility-Chef Michael Peter erklärte, die Technologie solle künftig schrittweise im gesamten österreichischen Netz eingesetzt werden. ÖBB-Infrastruktur-Vorstand Johann Pluy bezeichnete digitale Stellwerke als Schlüsseltechnologie für die weitere Modernisierung der Sicherungstechnik. Ziel sei es, den Bahnverkehr robuster, leistungsfähiger und effizienter zu steuern.
Die Rahmenvereinbarung umfasst sowohl die Innen- als auch die Außenanlagen der Stellwerkstechnik. In den Innenanlagen soll die sicherheitsrelevante Logik künftig auf standardisierten IT-Servern ausgeführt werden. In den Außenanlagen übernehmen sogenannte Objektcontroller die Ansteuerung von Signalen, Weichen und weiteren Komponenten der Infrastruktur. Der Vertrag ist auf mindestens zehn Jahre ausgelegt. Ergänzt wird die Vereinbarung durch einen Servicevertrag über die gesamte vorgesehene Systemlebensdauer von 25 Jahren. Dieser umfasst die technische Betreuung, Wartung und Maßnahmen zur Sicherung einer hohen Systemverfügbarkeit.
Die Einführung soll in mehreren Stufen erfolgen. Nach der geplanten Inbetriebnahme des ersten Pilotprojekts Ende 2030 sind weitere Pilotphasen vorgesehen. Dabei soll die Technik an unterschiedliche betriebliche und technische Anforderungen im ÖBB-Netz angepasst werden. Erst danach soll der flächendeckende Rollout beginnen und sich schrittweise auf das gesamte österreichische Netz erstrecken. Langfristig ist vorgesehen, bestehende Stellwerksanlagen schrittweise durch digitale Systeme zu ersetzen.
Mit der Digitalisierung der Stellwerkstechnik wollen die ÖBB die Leit- und Sicherungstechnik vereinheitlichen und stärker zentralisieren. Digitale Stellwerke gelten als Voraussetzung dafür, betriebliche Abläufe flexibler zu steuern und zusätzliche Kapazitäten im bestehenden Netz besser zu nutzen. Gleichzeitig steigt die Bedeutung von IT-Sicherheit und einer dauerhaft verfügbaren digitalen Infrastruktur.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de