Der spanische Hersteller CAF hat in der vergangenen Woche auf der InnoTrans in Berlin erstmals den neuen batterieelektrischen Triebzug für das Niederrhein-Münsterland-Netz einem internationalen Fachpublikum vorgestellt. Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) und Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) beschaffen insgesamt 76 Fahrzeuge des Typs Civity BEMU. Die neuen Züge sollen auf Strecken ohne durchgehende Oberleitung schrittweise Dieseltriebzüge ersetzen.
Unter elektrifizierten Abschnitten beziehen sie Strom aus der Oberleitung und laden zugleich ihre Batterien. Auf nicht elektrifizierten Streckenabschnitten erfolgt der Antrieb aus dem Energiespeicher. Damit soll auf mehreren Linien ein lokal emissionsfreier Betrieb ermöglicht werden, ohne die gesamte Strecke mit Oberleitungen ausrüsten zu müssen. CAF entwickelt die Fahrzeuge auf Basis seiner Civity-Plattform und fertigt nach eigenen Angaben zentrale Komponenten der Energiespeichersysteme selbst.
Für den Einsatz im Niederrhein-Münsterland-Netz muss parallel die Infrastruktur angepasst werden. Dazu gehören unter anderem Anlagen zum Laden der Batterien sowie weitere technische Anpassungen an den vorgesehenen Einsatzstrecken.
Für die Fahrgäste sollen die neuen Fahrzeuge gegenüber den heute eingesetzten Dieselzügen mehr Sitzplätze und eine modernere Ausstattung bieten. Vorgesehen sind WLAN, Steckdosen, digitale Fahrgastinformationen und großzügigere Einstiegsbereiche. Die Züge erhalten außerdem barrierefreie Zugänge. In den Mehrzweckbereichen ist Platz für Fahrräder, Rollstühle, Rollatoren und Kinderwagen vorgesehen.
Die ersten Fahrzeuge sollen nach derzeitigem Planungsstand Ende 2027 im Bereich des VRR in den Fahrgastbetrieb gehen. Vorgesehen ist ihr Einsatz zunächst auf den Linien RB 31, RB 36 und RE 44 rund um Duisburg. Ende 2028 soll der RE 10 folgen. Weitere Fahrzeuge sind für Linien im Gebiet des NWL bestimmt.
Das Niederrhein-Münsterland-Netz zählt zu den größeren Projekten in Deutschland zur Ablösung von Dieselzügen durch batterieelektrische Fahrzeuge. Die Beschaffung wurde gemeinsam von VRR und NWL organisiert. Anders als bei einer vollständigen Streckenelektrifizierung können die neuen Triebzüge auch dort elektrisch fahren, wo nur abschnittsweise Oberleitungen vorhanden sind.
Bis zur Betriebsaufnahme stehen neben der Fertigung und Zulassung der Fahrzeuge weitere Arbeiten an der Infrastruktur an. Für den späteren Regelbetrieb müssen insbesondere die Energieversorgung und Lademöglichkeiten entlang der Linien auf die Anforderungen der Batteriezüge abgestimmt sein. Die Umstellung erfolgt deshalb schrittweise.
Mit den 76 Civity-BEMU entsteht eine größere einheitliche Fahrzeugflotte für mehrere Regionalbahn- und Regionalexpresslinien in Nordrhein-Westfalen. Sie soll künftig einen Teil der heute noch mit Dieselzügen betriebenen Verkehrsleistungen am Niederrhein und im westlichen Münsterland übernehmen.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de