Stadler hat gemeinsam mit drei süditalienischen Verkehrsunternehmen den weltweit ersten Schmalspur-Wasserstoffzug vorgestellt. Die Fahrzeuge sind für den Einsatz auf Sardinien, in Kalabrien und auf Sizilien vorgesehen und sollen Dieselzüge auf nicht elektrifizierten Strecken ersetzen. Der Hersteller fertigt derzeit insgesamt 21 Wasserstoffzüge für die sardische Azienda Regionale Sarda Trasporti (ARST), Ferrovie della Calabria (FdC) und die sizilianische Ferrovia Circumetnea (FCE).
Der erste Zug wurde für ARST gebaut. Der Rahmenvertrag umfasst zehn Fahrzeuge. Weitere neun Züge entstehen für FdC, zwei Fahrzeuge sind für FCE vorgesehen. Die Fahrzeuge sollen künftig im Regional- und Nahverkehr eingesetzt werden.
Die Züge werden am Stadler-Hauptsitz im schweizerischen Bussnang gefertigt. Jedes Fahrzeug wird an die jeweiligen Streckenbedingungen angepasst. Während auf Sardinien vor allem Küstenstrecken berücksichtigt werden müssen, stellen die bergigen Tunnel Kalabriens und die Steigungen im Ätna-Naturpark auf Sizilien besondere Anforderungen.
Nach Angaben von Stadler basieren alle Fahrzeuge auf einer gemeinsamen technologischen Plattform. Sie verfügen über ein kompaktes Profil, eine leichte Bauweise und ein Wasserstoffantriebssystem. Die Lösung wurde gemeinsam mit den Verkehrsunternehmen und dem italienischen Verkehrsministerium entwickelt.
Die Wasserstoffzüge nutzen Brennstoffzellen im Mittelwagen sowie Batterien. Die aus dem Wasserstoff erzeugte Energie lädt die Batterien auf und ermöglicht den Betrieb auf Strecken ohne Oberleitung. Die zehn von ARST bestellten Fahrzeuge sollen im Vergleich zu bisherigen Dieselzügen jährlich bis zu 2.100 Tonnen CO₂ einsparen. Die beteiligten Verkehrsunternehmen setzen zudem auf nachhaltig erzeugten Wasserstoff. Dieser soll mithilfe von Solarenergie produziert werden.
ARST sieht die Fahrzeuge als Bestandteil einer Strategie zur Dekarbonisierung des eigenen Schmalspurnetzes. Für Ferrovie della Calabria ist das Projekt Teil einer längerfristigen Zusammenarbeit mit Stadler. Die Partnerschaft besteht nach Angaben des Unternehmens seit rund 20 Jahren und umfasst verschiedene Fahrzeuggenerationen. Mit den neuen Wasserstoffzügen soll die Flotte an die betrieblichen Anforderungen und die Erwartungen der Fahrgäste angepasst werden.
Stadler sieht in dem Projekt eine Lösung für unterschiedliche Anforderungen im italienischen Schmalspurbereich. Die einheitliche Fahrzeugplattform soll dabei eine Anpassung an verschiedene Einsatzgebiete ermöglichen. Die ersten Fahrzeuge werden nach der Fertigung für die jeweiligen Netze vorbereitet und zugelassen.
Die Inbetriebnahme der Fahrzeuge soll schrittweise erfolgen. Neben der technischen Vorbereitung gehören dazu auch die erforderlichen Zulassungen für den Betrieb in Italien. Mit den neuen Zügen wollen die Betreiber auf nicht elektrifizierten Strecken einen emissionsärmeren Regionalverkehr ermöglichen und gleichzeitig bestehende Dieseltechnologie ersetzen.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de