Der Bundesverband Schienennahverkehr (BSN) fordert Bund und Deutsche Bahn auf, die Aufgabenträger des Schienenpersonennahverkehrs in die weitere Planung der Korridorsanierungen einzubeziehen. Hintergrund ist die angekündigte Überarbeitung des bisherigen Sanierungskonzepts. Nach Angaben des Verbands soll die Zahl der jährlich umgesetzten Korridorsanierungen weiter reduziert und ein Teil der Maßnahmen zeitlich gestreckt werden.
Die SPNV-Aufgabenträger verantworten nach Angaben des BSN rund 70 Prozent der Zugfahrten im deutschen Schienennetz. Sie planen ihre Verkehrsangebote über mehrere Jahre, müssen Fahrpläne an größere Baustellen anpassen und Ersatzverkehre organisieren. Änderungen an bereits vorgesehenen Sanierungen haben deshalb unmittelbare Auswirkungen auf Verkehrsverträge, Fahrzeug- und Personaleinsatz sowie die Planung von Schienenersatzverkehren.
BSN-Präsident Peter Panitz kritisiert, dass Entscheidungen über mögliche Verschiebungen bislang ohne Beteiligung der Aufgabenträger getroffen würden. Der Verband fordert eine zügige Umsetzung der bereits geplanten Maßnahmen und eine umfassende Abstimmung, falls Umplanungen notwendig werden.
Auch BSN-Vizepräsident Kai Daubertshäuser warnt vor einer deutlichen Reduzierung des bisherigen Konzepts. Aus Sicht des Verbands müsse DB InfraGO grundsätzlich an den zugesagten Inhalten festhalten. Dazu zählen die Erneuerung von Oberbau und Oberleitung, Digitalisierungsmaßnahmen und festgelegte Layoutstandards. Gleichzeitig müssten Umleiterstrecken und bestehende Verkehrsplanungen besser aufeinander abgestimmt werden.
Der BSN fordert außerdem, während der Bauphasen ein angemessenes und stabiles SPNV-Angebot sicherzustellen. Der Bund solle sich weiterhin an den Kosten für Schienenersatzverkehre beteiligen. Gerade bei lang dauernden Sperrungen entstünden zusätzliche Aufwendungen, die von den Aufgabenträgern nicht allein getragen werden könnten.
Als Begründung verweist der Verband auf den weiterhin schlechten Zustand des Schienennetzes. Sowohl Hochleistungs- als auch Flächennetz müssten umfassend saniert werden. Nach Angaben des BSN wurden 2025 rund 18 Milliarden Euro in die Infrastruktur investiert, ohne dass sich die Netzzustandsnote verbessert habe. BSN-Vizepräsident Thorsten Müller warnt deshalb vor einem weiteren Aufschieben notwendiger Maßnahmen.
Unklar sei bislang auch, was mit Strecken geschehe, die möglicherweise aus dem bisherigen Korridorsanierungsprogramm herausfallen. Für Aufgabenträger und Eisenbahnverkehrsunternehmen entstehe dadurch zusätzliche Unsicherheit bei der Verkehrsplanung. Der Verband verlangt deshalb auch bei Änderungen am bisherigen Konzept langfristig abgestimmte und verlässlich kommunizierte Sanierungspläne. Entscheidend sei, frühzeitig festzulegen, welche Strecken wann saniert werden, welche Umleiter zur Verfügung stehen und wie der Regionalverkehr aufrechterhalten werden kann.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de