Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) und die DB InfraGO haben das Konzept der Korridorsanierungen überarbeitet. Zwischen 2027 und 2031 sollen nur noch 13 statt bislang 21 Streckenabschnitte grundlegend saniert werden. Die übrigen Vorhaben werden verschoben, aber nicht gestrichen. Mit der Neuordnung reagieren Bund und Bahn auf die hohe Zahl paralleler Baustellen, begrenzte Umleitungskapazitäten im Netz und die verfügbaren Ressourcen der Bauindustrie.
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hält am Grundprinzip der Korridorsanierungen fest, sieht aber Änderungsbedarf bei der Umsetzung. Künftig sollen weniger Korridore gleichzeitig bearbeitet, Bau- und Fahrplanung realistischer aufeinander abgestimmt und Umleitungsstrecken früher vorbereitet werden. Zudem soll die Digitalisierung verbindlicher Bestandteil der Sanierungen werden. Nach Angaben des Ministeriums sollen die Projekte damit zuverlässiger im vorgesehenen Zeit- und Kostenrahmen abgeschlossen werden.
Auch DB-Vorstandsvorsitzende Evelyn Palla hält die Bündelung von Baumaßnahmen auf hochbelasteten Strecken grundsätzlich für richtig. Ohne solche gebündelten Sperrungen würde sich die Erneuerung der sanierungsbedürftigen Infrastruktur aus Sicht der Bahn weiter verlängern. Gleichzeitig verweist Palla auf Erfahrungen aus den ersten Korridorsanierungen. Die Belastungen für Fahrgäste und Eisenbahnverkehrsunternehmen während der Bauphasen sollen geringer werden, zugleich soll der Übergang zurück in den Regelbetrieb verlässlicher funktionieren.
Der nun vorgelegte Fünf-Punkte-Plan beginnt deshalb mit einer stärkeren Priorisierung. Für die Jahre 2027 bis 2031 werden nur 13 Korridorsanierungen angesetzt. Vorrang sollen Vorhaben mit besonders großem Nutzen für Qualität, Stabilität und Pünktlichkeit haben. Verschobene Korridore sollen notwendige Ersatzinvestitionen oder Verbesserungen dennoch erhalten können. Welche Strecken ab 2032 in welcher Reihenfolge folgen, wollen Bund und Bahn im kommenden Jahr festlegen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Netzkapazität während der Vollsperrungen. DB InfraGO soll Umleitungsstrecken intensiver vorbereiten und die Korridorsanierungen stärker mit anderen Baustellen im Netz abstimmen. Dafür können Arbeiten an anderen Stellen verschoben oder in ihrem Ablauf verändert werden. Bei der Sanierung der Strecke Lehrte–Berlin soll beispielsweise ab Februar ein zweiter Umleitungsweg für den Güterverkehr zur Verfügung stehen.
Neu geordnet wird auch die Digitalisierung. Ab Anfang der 2030er-Jahre soll bei Korridorsanierungen grundsätzlich ETCS Level 2 ohne Signale eingebaut werden, sofern die vorgeschriebenen Abstimmungen mit den Eisenbahnverkehrsunternehmen erfolgt sind. Bis dahin sollen erneuerte Stellwerke und weitere Anlagen soweit technisch möglich bereits für ETCS vorbereitet werden. Auf einzelnen Strecken, darunter Troisdorf–Wiesbaden und Rosenheim–Salzburg, ist zunächst ETCS Level 2 mit Signalen vorgesehen.
Änderungen gibt es außerdem bei der Wiederinbetriebnahme nach langen Sperrungen. Der Verkehr soll künftig schrittweise hochgefahren werden. Zunächst können Güterzüge für Belastungsfahrten verkehren, bevor Personenzüge folgen. In den ersten Wochen sind zusätzliche Fahrzeitreserven, einzelne Einschränkungen oder eine zunächst geringere Kapazität möglich. Ein eigenes Inbetriebnahme-Team soll den Übergang vom Bauprojekt in den Regelbetrieb begleiten und auftretende Mängel schneller bearbeiten. Dieses Verfahren wird bereits für die im Dezember 2026 vorgesehenen Inbetriebnahmen auf Obertraubling–Passau und Troisdorf–Wiesbaden vorbereitet.
Zusätzlich führt DB InfraGO ein Drei-Phasen-Modell mit Vorlauf-, Haupt- und Nachlaufphase ein. Arbeiten, die keine größeren betrieblichen Einschränkungen verursachen, sollen möglichst vor oder nach der eigentlichen Hauptsperrung erledigt werden. Das betrifft insbesondere komplexe Arbeiten an der Leit- und Sicherungstechnik. Bei laufenden Projekten kann neue Stellwerkstechnik deshalb während der Hauptsperrung baulich fertiggestellt, aber erst 2027 in kürzeren Sperrpausen in Betrieb genommen werden.
Am bisherigen Sanierungsversprechen halten Bund und Bahn fest: Nach einer Korridorsanierung soll die Strecke möglichst bis zu zehn Jahre weitgehend frei von größeren baubedingten Einschränkungen bleiben. Auch das Ziel, infrastrukturbedingte Störungen um 80 Prozent zu verringern, bleibt dabei bestehen.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de