Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) fordert für den öffentlichen Nahverkehr in ländlichen Regionen ein verlässliches Grundangebot an allen Tagen. Als Orientierung nennt die Branche einen Stundentakt, ergänzt um bedarfsgerechte Angebote und verlässliche Anschlüsse. Die Reisezeit mit Bus und Bahn soll möglichst nicht mehr als das 1,5-Fache einer Autofahrt betragen, auch bei einer Haustür-zu-Haustür-Rechnung.
Nach Einschätzung des VDV ist der öffentliche Verkehr im ländlichen Raum ein wichtiger Bestandteil der Daseinsvorsorge. Viele Angebote seien bislang stark auf den Schülerverkehr ausgerichtet. Gleichzeitig steigen die Anforderungen durch eine älter werdende Bevölkerung, den Zugang zu Arbeitsplätzen und Bildung sowie die Versorgung in der Fläche.
Für ein verlässlicheres Angebot fordert der Verband integrierte Fahrpläne, abgestimmte Umsteigebeziehungen und Lösungen für die letzte Meile. Flexible Bedienformen und On-Demand-Angebote sollen den klassischen Linienverkehr dort ergänzen, wo sich feste Takte nur schwer wirtschaftlich betreiben lassen. Auch neue Technologien wie öffentliche Robotaxi-Angebote werden als mögliche Ergänzung genannt.
Der VDV sieht zudem die Raum- und Standortplanung stärker in der Pflicht. Öffentlicher Verkehr müsse früher berücksichtigt werden, wenn neue Gewerbegebiete, Verkaufsflächen oder Schulstandorte geplant werden. Damit soll verhindert werden, dass neue Ziele entstehen, die ohne Auto nur schwer erreichbar sind.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Finanzierung. Bund und Länder sollen nach Auffassung der Branche langfristig planbare und zweckgebundene Mittel bereitstellen. Förderverfahren müssten einfacher und schneller werden. Parallel dazu fordert der VDV Investitionen in digitale Infrastruktur. Dazu zählen eine flächendeckende Netzabdeckung, schnelles Internet, Echtzeitinformationen, E-Ticketing und appbasierte Auskunftssysteme.
Auch die Fachkräftesicherung spielt aus Sicht der Branche eine wichtige Rolle. In einer Sommerumfrage der VDV-Akademie nannten 71 Prozent der befragten Unternehmen die Vorbereitung von Fachkräften auf neue Aufgaben und Zukunftsthemen als besonders wichtig. 67 Prozent verwiesen auf digitale Kompetenzen, 63 Prozent auf Führung und Zusammenarbeit im Wandel.
Ein weiteres Thema ist die touristische Mobilität. Nach einer Branchenumfrage sehen 67 Prozent der befragten Verkehrsunternehmen die Bequemlichkeit des Autos als größtes Hemmnis für die Nutzung des ÖPNV am Urlaubsort. 45 Prozent gaben an, dass keine Tourismusmittel in den öffentlichen Verkehr fließen.
Die VDV-Akademie will diese Fragen am 19. und 20. November bei ihrer zweiten Fachveranstaltung „ÖPNV im ländlichen Raum“ in Göttingen behandeln. Auf dem Programm stehen Praxisbeispiele zu Regionalentwicklung, Fördermöglichkeiten, Betriebsmodellen und Lösungen für die letzte Meile. Die Tagung richtet sich insbesondere an Landkreise, Kommunen und Verkehrsunternehmen.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de