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Pro Bahn mit Olympia-Verkehrskonzept

München geht als deutscher Bewerber in das internationale Auswahlverfahren für die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Welches Austragungsjahr angestrebt wird, ist offen. Pro Bahn München hat ein Verkehrskonzept vorgelegt, mit dem der öffentliche Verkehr in Stadt und Umland auf einen möglichen Zuschlag vorbereitet werden soll.

Aus Sicht des Fahrgastverbands liegt die besondere Herausforderung darin, dass während Olympischer Spiele viele Veranstaltungen gleichzeitig an unterschiedlichen Orten stattfinden. Neben dem Olympiapark sollen unter anderem die Messe, der Englische Garten und die Theresienwiese genutzt werden. Hinzu kommen Veranstaltungsorte im Umland. Gleichzeitig muss der normale Berufs- und Alltagsverkehr weiter funktionieren.

Besonders kritisch sieht Pro Bahn die Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Olympiagelände. Die dortigen U-Bahn-Strecken seien bereits im Berufsverkehr stark ausgelastet. Deshalb sollen neue Verbindungen zusätzliche Kapazitäten schaffen und zugleich bestehende Strecken und zentrale Umsteigepunkte entlasten. Grundlage ist der Ansatz, Infrastruktur zu bauen, die auch nach den Spielen dauerhaft genutzt werden kann.

Ein Kernstück ist eine sogenannte Olympia-Tram. Zwei miteinander verbundene Äste sollen den Olympiapark mit Schwabing, Bogenhausen, dem geplanten Olympischen Dorf im Nordosten, Berg am Laim, dem Hauptbahnhof und Moosach verbinden. Vorhandene Strecken sollen dabei mit neuen Abschnitten kombiniert werden. Vorgesehen sind unter anderem eine Tram durch den Englischen Garten sowie Strecken zur Erschließung des Münchner Nordostens.

Für die Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Olympiazentrum schlägt Pro Bahn außerdem die U29 vor. Sie soll das im Zuge des Umbaus des Hauptbahnhofs geplante Vorhaltebauwerk mit der U2 verbinden. Nach Berechnungen des Verbands könnten dadurch ein bis zwei zusätzliche Züge je zehn Minuten zum Olympiazentrum fahren. Die Kapazität auf dieser Relation würde damit steigen, ohne bestehende Linien ausdünnen zu müssen.

Auch die S-Bahn soll zusätzliche Aufgaben übernehmen. Vorgeschlagen wird während der Spiele ein Verkehr über den Münchner Nordring, möglichst unter Einbeziehung des früheren Olympiabahnhofs. Pro Bahn bevorzugt eigene S-Bahn-Gleise und den viergleisigen Ausbau zwischen Johanneskirchen und Daglfing. Sollten diese Projekte nicht rechtzeitig fertig werden, hält der Verband auch zeitlich begrenzte Lösungen für denkbar.

Weitere Entlastung soll über das Straßenbahnnetz entstehen. Die im Nahverkehrsplan priorisierte Tram Y-Nord würde die Lerchenauer Felder über Am Hart und den Petuelring mit der Innenstadt verbinden und die U2 entlasten. Hinzu kommen die Kapuzinertram zwischen Holzkirchner Bahnhof und Silberhornstraße sowie eine Tram-Südtangente über Harras und die Tegernseer Landstraße zum Ostbahnhof. Beide Projekte sollen belastete U-Bahn-Abschnitte und Umsteigebahnhöfe entlasten.

Für Oberschleißheim und Garching fordert Pro Bahn eine konsequente Busbeschleunigung. Zusätzliche Olympia-Spuren sollen zwischen dem Olympia-Einkaufszentrum, dem Föhringer Ring, dem Olympischen Dorf und der Messe Busse und Shuttleverkehre unabhängig vom Autoverkehr führen. Ein Teil der Infrastruktur könnte anschließend dauerhaft für den Linienverkehr genutzt werden.

Daneben nennt das Konzept mehrere betriebliche Voraussetzungen. Am Hauptbahnhof soll der geplante westliche Verbindungssteg zwischen den Bahnsteigen rechtzeitig fertiggestellt werden. Auf dem Bahnhofsvorplatz fordert Pro Bahn je Richtung zwei Tramgleise. Auch die Donnersbergerbrücke soll saniert und dabei mit einer ÖV-Spur sowie vorbereiteten Tramgleisen ausgestattet werden. Für einen stabilen Betrieb müssten zudem geplante Betriebshöfe für U-Bahn, Tram und Bus fertiggestellt werden. Pro Bahn schlägt außerdem vor, Teile des Straßenbahnnetzes für längere und breitere Fahrzeuge auszubauen. Mit Anpassungen auf wenigen Kilometern könnten größere Fahrzeuge auf rund 25 Kilometern Strecke eingesetzt werden.

Die Kosten für die U29 schätzt Pro Bahn auf etwa 1,5 Milliarden Euro. In einer ähnlichen Größenordnung sieht der Verband das zusätzliche städtische Oberflächennetz einschließlich Kapazitätsausbau und Olympia-Spuren. Wie teuer zusätzliche S-Bahn-Maßnahmen würden, hängt davon ab, ob Übergangslösungen oder dauerhafte Ausbauten umgesetzt werden.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de