Siemens Mobility hat von der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) und dem Regionalverband Großraum Braunschweig einen Auftrag über 113 dreiteilige Batteriezüge des Typs Mireo Plus B erhalten. Zum Paket gehören außerdem ein 30 Jahre laufender Servicevertrag und der Aufbau von zwei neuen Rail Service Centern in Niedersachsen. Zusätzlich bestehen Optionen für bis zu 132 weitere Fahrzeuge. Der Fahrgastbetrieb mit den neuen Zügen soll Ende 2031 beginnen. Der Wert der 113 Fahrzeuge liegt nach Angaben von Siemens Mobility bei rund 1,1 Milliarden Euro.
Die Züge sind für Regionalverkehre auf teilweise nicht elektrifizierten Strecken vorgesehen. Unter Oberleitung werden die Batterien während der Fahrt geladen, anschließend können die Fahrzeuge auch auf Abschnitten ohne Fahrdraht elektrisch weiterfahren. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 160 km/h.
Die dreiteiligen Fahrzeuge erhalten mehr als 170 Sitzplätze, darunter mindestens sechs Plätze in der 1. Klasse. Vorgesehen sind außerdem zwei Rollstuhlplätze, Mehrzweckbereiche, Fahrgastinformationssysteme und WLAN. Für Fahrräder stehen mindestens sechs Stellplätze pro Zug zur Verfügung. Je nach Saison kann die Zahl auf bis zu 18 Plätze erhöht werden.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Barrierefreiheit. Die Züge sollen mit Türen in unterschiedlichen Einstiegshöhen ausgestattet werden, damit an Bahnsteigen mit verschiedenen Höhen möglichst niveaugleiche Einstiege möglich sind. Damit wird das Fahrzeugkonzept auf die unterschiedlichen infrastrukturellen Bedingungen im niedersächsischen Regionalnetz abgestimmt.
Neben der Lieferung übernimmt Siemens Mobility über 30 Jahre die vollständige Instandhaltung der 113 Fahrzeuge. Zum Servicepaket gehören zustandsbasierte Wartung, digitales Flottenmanagement, Ersatzteilversorgung sowie planmäßige und schwere Instandhaltungsarbeiten. Dafür soll unter anderem die Plattform Railigent X eingesetzt werden, über die Fahrzeugdaten ausgewertet und Wartungsbedarfe frühzeitig erkannt werden können.
Für die Flotte ist außerdem der Aufbau neuer Werkstattkapazitäten vorgesehen. Geplant sind zwei Rail Service Center in Niedersachsen. Ein Teil der Instandhaltung soll betriebsnah erfolgen, während Revisionen und umfangreichere Arbeiten in einem zentralen Kompetenzzentrum gebündelt werden. Ergänzend sind weitere lokale Einrichtungen zur Betreuung der Fahrzeuge vorgesehen. Nach Angaben von Siemens Mobility sollen dadurch bis zu 100 Arbeitsplätze entstehen.
Mit der Bestellung setzen LNVG und Regionalverband Großraum Braunschweig auf batterieelektrische Fahrzeuge für Strecken, auf denen keine durchgehende Oberleitung vorhanden ist. Die neuen Züge sollen dort bestehende Dieselverkehre schrittweise ersetzen und gleichzeitig auf elektrifizierten Abschnitten regulär unter Fahrdraht verkehren können. Die Optionen für weitere 132 Fahrzeuge ermöglichen eine spätere Ausweitung der Flotte, wenn das erwünscht sein sollte.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de