Die National Express Rail GmbH testet seit Ende September den Einsatz von Bodycams im laufenden Fahrgastbetrieb auf mehreren Linien des Rhein-Ruhr-Express. Das Pilotprojekt läuft ein Jahr und soll klären, ob sichtbare Kameras Kundenbetreuer vor Beleidigungen, Bedrohungen und körperlichen Übergriffen schützen können. Neben Bildaufnahmen zeichnen die Geräte auch Ton auf.
Zum Einsatz kommen die Bodycams abwechselnd auf den von National Express betriebenen RRX-Linien RE 1, RE 4, RE 5, RE 6 und RE 11. Diese verbinden große Ballungsräume in Nordrhein-Westfalen und gehören zu den wichtigsten Pendlerverbindungen des Landes. Für das Projekt stehen insgesamt 30 Kameras zur Verfügung.
Besonders ist die zusätzliche Tonaufzeichnung. Während Bodycams mit reiner Videoaufzeichnung im Bahnverkehr bereits eingesetzt werden, gelten Audioaufnahmen im öffentlichen Raum als rechtlich sensibler. National Express bezeichnet sich als erste Wettbewerbsbahn in Nordrhein-Westfalen, das Bodycams mit Tonaufzeichnung im regulären Fahrgastbetrieb erprobt.
Für den Test hat das Unternehmen ein eigenes Einsatz- und Datenschutzkonzept entwickelt. Die beteiligten Mitarbeiter wurden vor Beginn des Projekts geschult. In den Fahrzeugen weisen Hinweise auf den möglichen Einsatz der Kameras hin. Auch die Mitarbeiter, die eine Bodycam tragen, sollen für Fahrgäste klar erkennbar sein.
Die Geräte zeichnen nicht dauerhaft auf. Im Normalfall befinden sie sich im Stand-by-Modus. Erst wenn eine Situation eskaliert oder eine Aufnahme aus Sicherheitsgründen notwendig erscheint, kann die Kamera aktiviert werden. Die Aktivierung muss zuvor angekündigt werden. Damit soll verhindert werden, dass Fahrgäste ohne konkreten Anlass permanent aufgezeichnet werden.
Im Mittelpunkt der Auswertung steht die Frage, ob die sichtbaren Kameras Konfliktsituationen entschärfen und Übergriffe verhindern können. Darüber hinaus soll geprüft werden, wie brauchbar die Aufnahmen für die spätere behördliche Aufarbeitung sicherheitsrelevanter Vorfälle sind.
National Express will außerdem Erfahrungen zur Akzeptanz bei Mitarbeitern und Fahrgästen sowie zur praktischen Handhabung sammeln. Jan Trauernicht, Leiter Tarif, Vertrieb und Kundenmanagement bei National Express, betont, dass das Unternehmen noch keine abschließende Bewertung des Instruments vorgenommen habe. Gerade deshalb werde der Einsatz unter realen Bedingungen getestet. Entscheidend sei, ob kritische Situationen frühzeitig entschärft werden könnten.
Das Pilotprojekt soll bis September 2027 laufen. Erst nach Abschluss der Testphase will National Express entscheiden, ob Bodycams mit Tonaufnahme dauerhaft und möglicherweise in größerem Umfang eingesetzt werden. Dabei sollen neben der Sicherheitswirkung auch rechtliche, praktische und organisatorische Rahmenbedingungen sowie Erfahrungen aus dem täglichen Einsatz berücksichtigt werden; erst danach soll ein dauerhaftes Konzept erarbeitet werden.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de