27.10.26 (Allgemein)
Der außergewöhnlich heiße Sommer 2026 hat bei der SBB zu deutlich mehr Gleisverformungen geführt. Insgesamt registrierte das Unternehmen 97 Verwerfungen und Verdrückungen. Vereinzelt kam es dadurch zu Verspätungen oder Zugausfällen, insgesamt blieb der Betrieb nach Angaben der SBB jedoch stabil. Sicherheitsrelevante Vorfälle werden dem Bundesamt für Verkehr gemeldet.
Die SBB führt die gestiegene Zahl vor allem auf die hohen Temperaturen zurück. Bei großer Hitze dehnen sich Schienen aus, wodurch sich im Gleis zusätzliche Spannungen aufbauen können. Besonders belastete Stellen werden deshalb engmaschig überwacht. Auch die hohe Zugdichte im Netz trägt nach Angaben des Unternehmens dazu bei, Verformungen frühzeitig zu entdecken.
Werden Auffälligkeiten festgestellt, leitet die SBB nach eigenen Angaben unmittelbar Sicherheitsmaßnahmen ein. Anschließend beurteilen Fachleute die Situation vor Ort und entscheiden über weitere Schritte. Zusätzlich hat die SBB nach dem vergangenen Sommer eine Taskforce eingesetzt. Sie untersucht Ursachen und Entwicklung der Gleisverformungen, überprüft bestehende Maßnahmen und soll bei Bedarf weitere Vorkehrungen entwickeln.
Grundlage der Prävention bleibt nach Angaben des Unternehmens eine möglichst gut instand gehaltene Infrastruktur. Dafür kontrolliert die SBB ihre Schienen regelmäßig mit Mess- und Diagnosefahrzeugen. Bei Streckeninspektionen kommt inzwischen auch künstliche Intelligenz zum Einsatz, zudem werden Sensoren genutzt. Die gewonnenen Daten sollen helfen, kritische Veränderungen frühzeitig zu erkennen und gezielt auf einzelne Abschnitte zu reagieren.
Untersucht hat die SBB auch die Wirkung weiß beschichteter Schienen. Diese sollen sich in der Sonne weniger stark aufheizen. Nach mehrjährigen Tests lag die Kühlwirkung zu Beginn im Mittel bei rund 4,5 Grad. Nach zwei Jahren war wegen Verschmutzungen allerdings nur noch etwa die Hälfte dieses Effekts vorhanden. Auf stark befahrenen Strecken ließ die Wirkung schneller nach.
Die SBB setzt deshalb vor allem auf Maßnahmen, die dauerhaft wirksam sein sollen. Dazu gehört der verstärkte Einsatz von Betonschwellen, die Gleisen mehr Stabilität geben als Holzschwellen. Hinzu kommen Schotterverklebungen sowie das gezielte Auftrennen und Verlaschen von Schienen. Außerdem soll die sogenannte Neutralisationstemperatur angepasst werden. Dabei wird der spannungsfreie Zustand der Schienen auf ein höheres Temperaturniveau ausgerichtet, damit sie künftig besser mit steigenden Sommertemperaturen umgehen können.
Weiße Beschichtungen werden nach Angaben der SBB weiterhin geprüft, sollen aber nur dort eingesetzt werden, wo sie sich technisch und betrieblich als sinnvoll erweisen. Die SBB betont, dass die im Sommer festgestellten Verwerfungen und Verdrückungen die Sicherheit des Bahnverkehrs nicht beeinträchtigt hätten. Die Entwicklung werde dennoch weiter analysiert, um die Infrastruktur an häufigere Hitzeperioden anzupassen.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de