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Bundes-Gelegenheitstarif kommt erstmal nicht

02.11.26 (Verkehrspolitik)

Die Verkehrsminister der Länder haben einen Vorstoß für einen bundesweiten elektronischen Tarif für Gelegenheitsfahrer zunächst nicht beraten. Ein Antrag von Nordrhein-Westfalen und Hamburg wurde bei der Verkehrsministerkonferenz am 21. und 22. Oktober in Hohenschwangau mit Mehrheitsbeschluss von der Tagesordnung genommen. Begründet wurde dies damit, dass er zu kurzfristig vorgelegt worden sei. Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) erklärte dagegen, der Antrag sei fristgerecht eingereicht worden.

Unter dem Titel „Bundesweiter elektronischer Gelegenheitstarif“ hatten die beiden Länder ein einheitliches Angebot für Fahrgäste vorgeschlagen, die Busse und Bahnen nur gelegentlich nutzen. Eine Arbeitsgruppe sollte ein Konzept ausarbeiten, über dessen Einführung nach den Planungen im Herbst 2027 entschieden werden sollte. Auch über die Einrichtung dieser Arbeitsgruppe wurde nicht entschieden.

Vorbild ist das System eezy.nrw. Fahrgäste checken vor dem Einstieg über eine Smartphone-App ein und nach der Fahrt wieder aus. Der Preis ergibt sich aus einem Grundbetrag und der Luftlinienentfernung zwischen Start und Ziel. Seit 2026 gilt für Fahrten in der zweiten Klasse außerdem eine Obergrenze in Höhe des klassischen Einzeltickets. Die Nutzer müssen sich nicht mit den Preisstufen der Verkehrsverbünde beschäftigen. Voraussetzung ist ein Smartphone; wer keines besitzt, muss weiterhin auf andere Ticketangebote zurückgreifen.

Hinzu kommt eine monatliche Bestpreisabrechnung. Wer beispielsweise für 20 Euro fährt, bezahlt 20 Euro. Würden die einzelnen Fahrten rechnerisch 120 Euro kosten, werden höchstens 63 Euro berechnet. Das entspricht dem derzeitigen Preis des Deutschlandtickets. Zum 1. Januar 2027 steigt die Grenze auf 66,80 Euro. Auch nach Erreichen des Monatsdeckels müssen Fahrgäste weiter einchecken. Die Regelung gilt nur innerhalb Nordrhein-Westfalens; ein bundesweit gültiges Deutschlandticket entsteht dadurch nicht.

Im September wurden landesweit rund 1,4 Millionen Fahrten mit eezy.nrw abgerechnet. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr meldete Anfang Oktober mehr als 20 Millionen Fahrten über seine Systeme seit der Einführung, landesweit waren es rund 27 Millionen. Im ersten Halbjahr 2026 stieg die Zahl der Fahrten im VRR gegenüber dem Vorjahr um rund 75 Prozent.

Über das vorgesehene Preismodell gab es unterschiedliche Darstellungen. Erste Berichte vermittelten den Eindruck, auch der bundesweite Gelegenheitstarif solle auf den Monatspreis des Deutschlandtickets begrenzt werden. Krischer stellte nach der Konferenz klar, dass ein solcher Preisdeckel nicht vorgesehen sei. Die Obergrenze in NRW sei als Anreiz zur Einführung geschaffen worden. Nach seinen Angaben erreichen nur etwa fünf Prozent der Nutzer diesen Betrag. Eine bundesweite Deckelung könne dagegen dazu führen, dass Vielfahrer vom Deutschlandticket auf den neuen Tarif wechselten.

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), Vorsitzender der Konferenz, lehnte den Vorstoß ab. Er verwies auf die angespannte Finanzierung des Nahverkehrs und fehlende Mittel für Regionalzüge. Die Länder fordern zusätzliche Regionalisierungsmittel vom Bund. Bernreiter hatte bereits 2022 verlangt, dass der Bund ein von ihm gewünschtes bundesweites Ticket selbst finanzieren müsse. Später vereinbarten Bund und Länder für das Deutschlandticket eine gemeinsame Finanzierung mit jeweils 1,5 Milliarden Euro jährlich.

Auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) äußerte Bedenken. Ein zusätzliches Angebot verursache Kosten und könne das Deutschlandticket als Flatrate im monatlich kündbaren Abonnement schwächen, erklärte VDV-Geschäftsführer Alexander Möller. Unterstützung kam vom Fahrgastverband Pro Bahn. Niedersachsens Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) zeigte sich ebenfalls offen, verwies aber auf Fragen der Tarifgestaltung, Finanzierung und Einnahmeaufteilung.

Krischer hält dem entgegen, dass ein digitaler Vertrieb Kosten einsparen könne. Für die bundesweite Umsetzung wären einheitliche Regeln zur Fahrpreisberechnung, verlässliche Haltestellendaten und eine verbundübergreifende Abrechnung erforderlich. Auch die unterschiedlichen technischen Voraussetzungen der Bundesländer müssten berücksichtigt werden. Krischer will den Antrag bei der nächsten Verkehrsministerkonferenz erneut einbringen. Ob er es da auf die Tagesordnung schaffen wird, ist jedoch aktuell nicht absehbar.

Siehe auch: Bestpreis statt Blockade

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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58453 Witten
Quelle: Zughalt.de