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Schweres Zugunglück in Spanien

02.11.26 (Europa)

Bei einem Eisenbahnunfall auf der spanischen Hochgeschwindigkeitsstrecke Madrid–Sevilla sind am Mittwoch (28. Oktober) mindestens 68 Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben der Regionalregierung von Kastilien-La Mancha wurden mehr als 100 Menschen verletzt. Die spanische Gesundheitsministerin berichtete von 15 sehr schwer Verletzten. Die Zahlen sind vorläufig. Rettungskräfte suchten in den beschädigten Wagen nach weiteren Opfern.

Der Unfall ereignete sich gegen 8.54 Uhr zwischen Mora y Orgaz und Urda in der Provinz Toledo, am Streckenkilometer 118. Ein AVE-Hochgeschwindigkeitszug der staatlichen Renfe fuhr auf einen stehenden Zug des privaten Anbieters Iryo auf. Beide waren von Madrid nach Sevilla unterwegs. Nach Angaben der Regionalregierung befanden sich 397 Reisende im Renfe-Zug und 147 im Iryo. Zwei Wagen des Iryo-Zuges entgleisten und stürzten einen Bahndamm hinunter.

Der Kollision ging eine Störung der Zugbeeinflussung voraus. Verkehrsminister Óscar Puente (PSOE) erklärte, dass gegen 8.30 Uhr das Sicherungssystem LZB ausgefallen sei. Sechs Züge seien daraufhin automatisch zum Stillstand gekommen. Die Betriebszentrale des Infrastrukturbetreibers Adif in Madrid habe anschließend die Weiterfahrt freigegeben, obwohl für den AVE ein Halt zeigendes Signal Signal galt und der Iryo-Zug noch vor ihm stand.

Nach Darstellung des Ministeriums hätte die Fahrt bei ausgefallener Sicherung nur auf Sicht mit höchstens 40 Kilometern pro Stunde fortgesetzt werden dürfen, vergleichbar mit der deutschen Regelung. Stattdessen sei der AVE nach der Freigabe auf bis zu 200 km/h beschleunigt worden. Um 8.53 Uhr kam es zum Zusammenstoß. Wie es zu dieser Freigabe kam und welche Verantwortung die Beteiligten tragen, müssen die Ermittlungen klären.

Die Regionalregierung aktivierte ihren Katastrophenschutzplan. Neben Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei kamen Kräfte der militärischen Nothilfeeinheit UME zum Einsatz. Verletzte wurden in Krankenhäuser in Toledo, Ciudad Real, Alcázar de San Juan und Albacete gebracht. Renfe richtete einen Krisenstab und eine Angehörigenhotline (900 10 10 20) ein. Adif eröffnete Anlaufstellen an mehreren Bahnhöfen, darunter Madrid-Atocha und Sevilla-Santa Justa.

Der Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen Madrid und Andalusien wurde unterbrochen. Adif ließ die Züge zunächst in Bahnhöfen zurückhalten. Die Abschnitte Madrid–Toledo und Málaga–Sevilla waren nach Angaben des Infrastrukturbetreibers nicht betroffen. Wann der durchgehende Verkehr wieder aufgenommen werden kann, war zunächst offen.

Der Unfall trifft das spanische Hochgeschwindigkeitsnetz neun Monate nach der Katastrophe von Adamuz in Andalusien. Dort waren am 18. Januar ebenfalls Züge von Iryo und Renfe kollidiert; 46 Menschen starben. Beide Unglücke ereigneten sich auf dem Korridor Madrid–Andalusien. Ein Zusammenhang der Ursachen ist bislang nicht nachgewiesen. Ministerpräsident Pedro Sánchez (PSOE) kündigte eine umfassende Aufklärung an.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de