03.11.26 (Österreich)
Die österreichische Bundesregierung will die Konzernstruktur der ÖBB ab 2027 umbauen. Kern ist eine Novelle des Bundesbahngesetzes, auf die sich ÖVP, SPÖ und NEOS verständigt haben. Die Regierung hatte angekündigt, den Entwurf Ende Oktober in Begutachtung zu schicken. Der Nationalrat soll in den kommenden Wochen entscheiden. Das Gesetz soll zum Jahreswechsel in Kraft treten.
Die Reform verändert vor allem die Rolle der ÖBB-Holding. Sie wurde mit der Strukturreform von 2003 als strategische Leitgesellschaft geschaffen; der Konzern arbeitet seit 2005 mit rechtlich eigenständigen Tochtergesellschaften. Künftig soll die Holding stärker in die operative Steuerung eingreifen können. Dazu wird der bisher aus CEO und CFO bestehende Vorstand um einen Chief Operating Officer erweitert. Der COO soll die Bahnproduktion konzernweit vom Fahrplan bis zur Zugbereitstellung steuern.
Zugleich sollen die ÖBB-Personenverkehr AG und die Rail Cargo Austria AG in Gesellschaften mit beschränkter Haftung umgewandelt werden. Dadurch erhält die Holding direkte Weisungsmöglichkeiten gegenüber den beiden Marktgesellschaften. Die ÖBB-Infrastruktur AG bleibt als eigenständige Aktiengesellschaft bestehen.
Aufgelöst wird außerdem die sogenannte Doppelmütterstruktur. Die ÖBB-Produktion GmbH und die ÖBB-Technische Services GmbH sind bislang dem Personen- und Güterverkehr gemeinsam zugeordnet. Künftig sollen beide Gesellschaften direkt unter der ÖBB-Holding angesiedelt werden. Damit sollen parallele Strukturen reduziert und Entscheidungen über Fahrzeuge, Personal, Werkstätten und Instandhaltung stärker konzernweit koordiniert werden.
Nach Angaben des Verkehrsministeriums erwarten die ÖBB dadurch Einsparungen von rund 80 Millionen Euro pro Jahr. Bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode 2029 könnten sich daraus rund 250 Millionen Euro ergeben. Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) begründet die Reform mit kürzeren Entscheidungswegen und einer stärkeren Ausrichtung auf die Fahrgäste.
Parallel läuft bereits die interne Produktionsreform PR26. Sie benötigt keine Änderung des Bundesbahngesetzes und soll am 1. Juli 2027 operativ starten. Künftig wird die Produktion stärker nach Verkehrssystemen wie Tagfernverkehr, Nachtfernverkehr oder Einzelwagenverkehr geplant. Fahrplankapazitäten, Fahrzeuge, Personal, Werkstätten, Disposition und Instandhaltung sollen enger zusammengeführt werden.
Hintergrund sind gewachsene Anforderungen an den Konzern. Nach Angaben der ÖBB verkehren inzwischen 98 Eisenbahnverkehrsunternehmen auf dem österreichischen Netz, vor zehn Jahren waren es 63. Gleichzeitig stieg die Zahl der Bahnreisenden von rund 240 Millionen im Jahr 2016 auf etwa 350 Millionen im Jahr 2025. Auch an der Konzernspitze stehen Veränderungen an. Die Amtszeit von ÖBB-Chef Andreas Matthä endet am 30. Juni 2027. Seine Nachfolge sowie die neue COO-Position wurden bereits ausgeschrieben, Matthä verlässt das Unternehmen.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de