06.11.26 (Schweiz)
Der Schienenpersonenverkehr in der Schweiz hat im dritten Quartal 2026 erneut einen Höchststand erreicht. Nach Angaben von LITRA und Verband öffentlicher Verkehr wurden 6,41 Milliarden Personenkilometer zurückgelegt. Das waren 5,4 Prozent mehr als im Vorjahresquartal und 1,8 Prozent mehr als im zweiten Quartal 2026. Damit wurde der erst im Vorquartal erreichte Rekord von 6,30 Milliarden Personenkilometern nochmals übertroffen. Treiber des Wachstums war vor allem der regionale Personenverkehr. Insgesamt bestätigt das dritte Quartal damit den Aufwärtstrend der ersten beiden Quartale des Jahres.
Deutlich anders entwickelt sich der Schienengüterverkehr. Im dritten Quartal wurden 2,69 Milliarden Nettotonnenkilometer erbracht. Gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht das einem Rückgang um 3,4 Prozent, gegenüber dem zweiten Quartal sogar um 4,6 Prozent. Für ein drittes Quartal ist das der niedrigste Wert seit Beginn des Quartalsreportings Bahn im Jahr 2014. Über alle Quartale hinweg lag nur das zweite Quartal 2020 während der Corona-Pandemie noch tiefer.
Auch die Semesterberichte des Bundesamts für Verkehr zeigen die angespannte Lage. Im alpenquerenden Güterverkehr legte die Bahn im ersten Halbjahr 2026 zwar um 3,1 Prozent zu. Der Straßengüterverkehr wuchs mit 7,5 Prozent jedoch deutlich stärker. Der Bahnanteil sank dadurch um 0,9 Prozentpunkte auf 68 Prozent.
Gleichzeitig stieg die Zahl der Lastwagenfahrten durch die Alpen um rund sieben Prozent auf 511.000. Das Bundesamt für Verkehr geht davon aus, dass 2026 erstmals seit längerer Zeit wieder mehr als eine Million alpenquerende Lastwagenfahrten erreicht werden könnten.
Belastet wird der Schienengüterverkehr auf der Nord-Süd-Achse weiterhin durch zahlreiche Baustellen, insbesondere in Deutschland. Eine spürbare Entspannung wird nach den vorliegenden Einschätzungen erst ab etwa 2030 erwartet. Der Schweizer Bundesrat sieht deshalb im Rahmen der laufenden Gesetzesrevision zusätzliche finanzielle Mittel für den alpenquerenden Schienengüterverkehr vor.
Auch im Einzelwagenladungsverkehr bleibt die Entwicklung schwach. Die Zahl der beladenen Wagen ging im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum bereinigt um acht Prozent zurück. Die Transportleistung lag mit rund 584 Millionen Nettotonnenkilometern gut fünf Prozent unter dem Vorjahreswert. Seit Anfang 2026 unterstützt der Bund diesen Verkehrsbereich finanziell.
Auffällig ist, dass die Trassennachfrage trotz der rückläufigen Güterverkehrsleistung nahezu stabil bleibt. Im dritten Quartal wurden 53,64 Millionen Trassenkilometer nachgefragt. Das waren lediglich 0,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor und 0,8 Prozent mehr als im zweiten Quartal.
Damit driften die Entwicklungen im Schweizer Schienenverkehr weiter auseinander: Während der Personenverkehr von Quartal zu Quartal neue Höchstwerte erreicht, bleibt der Güterverkehr trotz positiver wirtschaftlicher Rahmenbedingungen unter Druck.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de