#BesserWeiter: Branche startet Wiedereinsteigeprogramm

 

(Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

Unter dem Motto „Ich bin Wiedereinsteiger“ bereitet die ÖV-Branche in Deutschland eine umfassende Kampagne für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel vor. Die Ansteckungsgefahr im öffentlichen Nahverkehr ist nicht höher als an anderen öffentlichen Orten – das ist das Ergebnis gleich mehrerer Untersuchungen aus dem In- und Ausland.

So hat die Charité Research Organisation Ende Juni rund tausend Beschäftigte der Deutschen Bahn mit dem Ziel untersucht, wissenschaftliche Erkenntnisse zur Gefährdung von Mitarbeitern und Reisenden durch Covid-19 zu gewinnen. Das Ergebnis: Es gibt es keine erhöhte Ansteckungsgefahr in Zügen. In Österreich hat die Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) Infektionsketten mithilfe lokaler Behörden rekonstruiert und dabei nicht eine Infektion ermittelt, die auf eine Ansteckung im öffentlichen Verkehr zurückzuführen ist.

Eine Forschergruppe an der Universität Tokio konnte bei rund 3.000 untersuchten Fällen ebenfalls keine Infektionsketten mit Hinweis auf Busse und Bahnen finden. Und eine Umfrage der New York Times unter ortsansässigen Verkehrsunternehmen kommt zu dem Schluss, dass es auch in der Metropole New York keine Massenansteckungen im öffentlichen Nahverkehr gegeben hat.

Allen bekannten Auswertungen zufolge ist das tragen die Nutzung von Alltagsmasken, die ständige Frischluftzufuhr und die zumeist kurze Aufenthaltsdauer zum geringen Ansteckungsrisiko in Bussen und Bahnen bei. Ebenso leisten die verstärkten Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen der Verkehrsunternehmen einen wichtigen Beitrag, den öffentlichen Nahverkehr in Corona-Zeiten sicher zu machen: Die Reinigungsintervalle wurden erhöht, Türen öffnen häufig automatisch, der Luftaustausch wurde vielfach hochregelt.

Auch der VDV als maßgeblicher Initiator der #BesserWeiter-Kampagne, geht der Frage der Infektionsgefahr in Bussen und Bahnen nach. Noch ist die Befragung des Verbandes unter seinen rund 600 Mitgliedsunternehmen nicht abgeschlossen, aber erste Zwischenergebnisse zeigen eindeutig positive Resultate. Es sind demnach so gut wie keine Covid-19-Infektionen unter den Mitarbeitenden festzustellen, auch nicht bei den Berufsgruppen mit direktem, täglichen Kundenkontakt.

„Unsere jüngste Untersuchung bestätigt bislang, was bereits die nationalen und internationalen Auswertungen gezeigt haben: Bus- und Bahnfahren ist auch in Covid-Zeiten eine sichere Sache. Die Faktoren Maske, ständige Frischluftzufuhr bzw. rascher Luftaustausch und kurze Reisezeit sprechen für den öffentlichen Nahverkehr. Das ist eine gute Nachricht für die Beschäftigten der Verkehrsunternehmen und für die Fahrgäste im ÖPNV. Ich hoffe, dass diese eindeutigen Ergebnisse dazu beitragen, mittelfristig wieder an die Rekordfahrgastzahlen der Vergangenheit anzuknüpfen“, so VDV-Präsident Ingo Wortmann.

Das Bundesverkehrsministerium, die Länder und die kommunalen Spitzenverbände unterstützen die gemeinsame Kampagne der Verkehrsunternehmen und -verbünde aktiv. Alle Beteiligten sind sich einig, dass sich die Klimaschutzziele nur mit einem attraktiven und leistungsstarken öffentlichen Nahverkehr erreichen lassen

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) macht deutlich, warum die Rückkehr der Fahrgäste so wichtig ist: „Wir brauchen einen starken ÖPNV in Deutschland – für unsere Mobilität und für das Klima. Deshalb stützen, schützen und stärken wir die Verkehrsunternehmen mit zusätzlichen 2,5 Milliarden Euro in diesem Jahr. Wichtig ist aber auch, dass die Fahrgäste das Angebot nutzen. Mit unserer Kampagne klären wir auf und sensibilisieren, damit die Menschen mit einem sicheren Gefühl in Bus und Bahn einsteigen – selbstverständlich nur mit Maske.“

Anke Rehlinger (SPD), Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz und Verkehrsministerin des Saarlandes, sieht keinen Anlass, öffentliche Verkehrsmittel zu vermeiden: „Die aktuellen Infektionszahlen zeigen uns, dass Vorsicht das oberste Gebot der Stunde ist. Trotzdem brauchen wir eine neue Normalität – auch im ÖPNV.“

Rehlinger: „Wir wissen: Bus und Bahn sind sicher, wenn sich alle an die Spielregeln halten. Die Maßnahmen schützen wirksam. Es gibt keinen Grund, den ÖPNV zu meiden, im Gegenteil: Alles spricht dafür, wieder einzusteigen. Bus und Bahn bringen uns sicher, zuverlässig und umweltfreundlich durch den Alltag. Und nicht zuletzt sind die Verkehrsmittel der Wahl, wenn wir – auch in Zeiten von Corona – den Klimaschutz in Deutschland weiter voranbringen wollen.“




Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten

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