BVG AöR erhält neue Inhouse-Vergabe

BVG AöR erhält neue Inhouse-Vergabe

11.01.16 (Berlin) Autor:Stefan Hennigfeld



Letzten Donnerstag wurde in Berlin eine Absichtserklärung unterzeichnet, dass das kommunale Verkehrsunternehmen Berliner Verkehrsbetriebe AöR langfristig geschützt werden soll. Ein im Rahmen einer Inhouse-Vergabe gestalteter Verkehrsvertrag soll bis zum Jahr 2035 laufen. Gleichzeitig verständigten sich das Land Berlin und die BVG AöR darauf, in den nächsten Jahrzehnten massiv in neue Schienenfahrzeuge zu investieren.

Dafür gründet das Unternehmen eine GmbH, deren Geschäftszweck die Finanzierung von Rollmaterial im Tram-, sowie den beiden U-Bahnnetzen ist. Man verweist darauf, dass die Bevölkerungszahlen in der Bundeshauptstadt in Zukunft steigen sollen, entsprechend gibt es erheblichen Bedarf an Leistungsausweitungen. Gleichzeitig gibt es auch bei dem, was heute Captive Rider genannt wird – also die klassischen großen A (Auszubildende, Arme, Alte, Asylbewerber) erhebliches Wachstumspotential, gerade auch im Großraum Berlin.

Parallel dazu kommt die Bestandsflotte in die Jahre: Die U-Bahnwagen im Kleinprofil sind durchschnittlich 27 Jahre alt, die U-Bahnwagen im Großprofil 29 Jahre alt. Für die Beschaffung neuer Schienenfahrzeuge benötigt die BVG bis 2035 rund drei Milliarden Euro. Finanzieren soll die BVG AöR sie selbst, der Senat übernimmt ab 2020 die Abschreibungen und Zinsen – also genau das, was man bei der S-Bahn im Hinblick auf mögliche Haushaltsrisiken immer abgelehnt hat. Da die Beschaffung der Fahrzeuge wegen der langen Vorlaufzeit frühzeitig initiiert werden muss, wurde die neue GmbH bereits zum 1. Januar 2016 gegründet.

Der aktuelle Verkehrsvertrag, der das ÖPNV-Angebot der BVG festschreibt, läuft 2020 aus. Die Absichtserklärung des Senats, einen neuen Vertrag ab 2020 bis 2035 fortzuführen, ist ein wichtiger Schritt für die Planungs- und Investitionssicherheit der BVG AöR, so das Unternehmen. Die Fahrzeugfinanzierungsgesellschaft erlaubt stetige Investitionen in den Fahrzeugbestand der BVG über einen Zeitraum von 15 Jahren. So wird der Rückstand kontinuierlich abgearbeitet.

Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD): „Das Land Berlin bekennt sich zur BVG als starkes öffentliches Unternehmen, das gute und preiswerte Leistung bietet. Bei beidem muss die BVG dauerhaft zur Spitzengruppe deutscher und europäischer Verkehrsdienstleister gehören.“ Auch sein Kollege Andreas Geisel (SPD), Senator für Stadtentwicklung, lobt vor allem die Planungssicherheit: „In der wachsenden Stadt brauchen wir auch ein wachsendes Nahverkehrsangebot. Neue Wohnquartiere müssen angebunden und Fahrpläne noch besser an die Bedürfnisse der Fahrgäste angepasst werden. Ich freue mich, dass wir gemeinsam mit der BVG den ÖPNV der Zukunft planen können.“ BVG-Chefin Sigrid Nikutta:  „Wichtig ist vor allem, dass wir neue Fahrzeuge kontinuierlich beschaffen.“ Über Qualitätsmerkmale, wie Klimaanlagen (im Sommer 2015 waren die U-Bahnen teilweise heißer als bei Schweintransportern erlaubt) gab es keinerlei Angaben.

 

 

Stefan Hennigfeld

Redaktioneller Leiter

Zughalt e.V.

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