Captain Train tritt Allianz pro Schiene bei

Captain Train tritt Allianz pro Schiene bei

18.01.16 (Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

Das französische Buchungsportal Captain Train aus Paris unterstützt ab sofort die Allianz pro Schiene. Es ist, wie Verbandsgeschäftsführer Dirk Flege bekannt gibt, das 131. Fördermitglied. „Dass der Verkauf von Bahntickets im grenzüberschreitenden Verkehr zu kompliziert ist, haben wir jahrelang bemängelt. Mit einer angenehm übersichtlichen Website und einer preisgekrönten App hat Captain Train das Problem elegant und kundenfreundlich gelöst“, sagte Flege.

„Bahnfahrer bekommen mit diesem Portal für Deutschland sowie große Teile Europas in Sekundenschnelle die schnellsten Verbindungen und die günstigsten Preise angezeigt.“ Die Buchung lasse sich online erledigen, aber auf Kundenanfragen antworten echte Menschen in Echtzeit. „So wünschen wir uns die vielbeschworene Digitalisierung im Verkehr: Die Zugbuchung wird einfacher und gleichzeitig persönlicher.“

Flege kündigte an, dass Captain Train in seinem Verband eine „verkehrspolitische Heimat“ finden werde. „Wir stehen für dieselben Ziele wie die Allianz pro Schiene“, sagte der Geschäftsführer von Captain Train, Daniel Beutler. Beutler war vorher viele Jahre bei der Deutschen Bahn, zuletzt als Leiter für den Vertrieb in Westeuropa. „In Deutschland und in Europa brauchen die Bahnen dringend mehr politischen Rückenwind. Dass Captain Train das Buchen vereinfacht, ist ein wichtiger Baustein. Von der Politik erwarten wir aber faire Rahmenbedingungen“, so Beutler.

So könnten grenzüberschreitende Bahntickets sofort spürbar billiger werden, wenn Deutschland nicht die volle Mehrwertsteuer aufschlüge. „Absurderweise zahlen Flugpassagiere nirgendwo in Europa Mehrwertsteuer für internationale Reisen. Bei den Bahntickets gilt das leider nicht. Deutschland kassiert von allen europäischen Ländern nach Kroatien den höchsten Satz bei Zugtickets“, sagte Beutler.

Captain Train werde sich als Fördermitglied der Allianz pro Schiene „mit Nachdruck für einen fairen Wettbewerb zwischen den Verkehrsträgern einsetzen.“ Die Allianz pro Schiene kritisiert schon seit längerem immer wieder als solche empfundene Nachteile, die die Eisenbahn im Wettbewerb der Verkehrsträger aus Sicht des Verbandes hat. Neben der Besteuerung von Kerosin und der Mehrwertsteuer auf Flugtickets spricht man sich auch für eine Mautpflicht bei Fernlinienbussen aus. Als unabhängiges europäisches Zugbuchungsportal kombiniert Captain Train erstmals die Angebote der großen europäischen Bahnen.

Inzwischen bietet das Portal Fahrkarten für 19 Länder an. Captain Train finanziert sich durch Provisionen der Bahnbetreiber und verzichtet komplett auf Werbung. Mit 5000 verkauften Tickets pro Tag und über 50 Mitarbeitern wächst das Startup rasant und gewann im Dezember 2015 den deutsch-französischen Wirtschaftspreis. Nun organisiert man sich als reines Vertriebsunternehmen auch politisch. Inwieweit ein Markteinstieg in den deutschen SPNV-Vertrieb erfolgen wird, bleibt in Zukunft abzuwarten und spannend zu beobachten.

 

 

Stefan Hennigfeld

Redaktioneller Leiter

Zughalt e.V.

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